Berühmte Mitglieder

Prof. Franz Joseph Bob *1733 +1802

 

Er wurde 1733 in Dauchíngen bei Villingen geboren und war im noch habsburgischen Freiburg im Breisgau der Professor für Kameral- und Polizeiwissenschaften. Für die heutige  Volkswirtschaft als Nachfolger der Kameralwirtschaft ist sein 1779 erschienenes Werk Von dem Systeme der Polizeywissenschaft und dem Erkenntnisgrundsatz der Staatsklugheit  immer noch von Bedeutung. Im Jahr 1773 wurde auf seine Initiative hin die erste Normalschule (Volksschule) in Freiburg gegründet. In jene Zeit fällt vermutlich auch die Entstehung des Spitz- und Übernamen "Bobbele" für einen gebürtigen Freiburger. Da man seine Schüler in der Normalschule in einem zeitgenössischen Spottgedicht "Erstklässler Bobbili" nannte, entstand daraus im Laufe der Zeit die Bezeichnung Bobbele für die Freiburger allgemein. Franz Joseph Bob starb am 19. Februar 1802 in Freiburg im Breisgau.

Dr. Johann Georg Schlosser *1739 +1799

 

Der 1739 in Frankfurt geborene Jurist lebte seit der Hochzeit mit Goethes Schwester Cornelia in Emmendingen bei Freiburg und war der erste Meister vom Stuhl der Loge. Nachweislich besuchte ihn Goethe mehrfach und wahrscheinlich auch zusammen die Loge.

 

Er besuchte in seiner Heimatstadt Frankfurt zunächst das Gymnasium mit Schwerpunkt klassische Sprachen. Aus eigenem Antrieb widmete er sich intensiv der Lektüre zeitgenössischer deutscher Schriftsteller. Das Studium der Rechte in Jena ab 1758 und Altdorf ab 1760 schloss er 1762 mit einer Promotion über das Vormundschaftsrecht seiner Vaterstadt ab. Daraufhin war er in Frankfurt als Rechtsanwalt tätig, allerdings ohne in dieser Stellung rechte Erfüllung zu finden. Daher akzeptierte er 1766 bereitwillig das Angebot, Geheimsekretär des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg zu werden, welcher damals Befehlshaber eines preußischen Regimentes im hinterpommerschen Treptow an der Rega war. 1769 schied er aus den Diensten des Herzogs von Württemberg aus und kehrte nach Frankfurt zurück, um seine Tätigkeit als Anwalt fortzusetzen. Dort entstand der erfolgreiche Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk (1771). Dieser Katechismus machte ihn unter den Intellektuellen der deutschsprachigen Länder bekannt. 1773 heiratete er Cornelia von Goethe, die Schwester des Dichters und Freimaurers Johann Wolfgang von Goethe.

 

Cornelia Schlosser geb. Goethe
Cornelia Schlosser geb. Goethe

Inzwischen stand er als Regierungsrat in den Diensten von Karl Friedrich von Baden. Ab 1774 wirkte er als Oberamtsverweser bzw. Oberamtmann in Emmendingen. Goethe suchte Schlosser in Emmendingen zwei Mal auf, 1775 und 1778; ein letztes Treffen der beiden fand 1793 in Heidelberg statt. In seiner Autobiographie "Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit" geht Goethe sogar in einigen Passagen auf das Verhältnis zu seinem Schwager Schlosser ein. Im Rahmen seiner dienstlichen ´Tätigkeit bemühte sich Schlosser intensiv um Reformen, insbesondere in den Bereichen Landwirtschafts- und Sozialpolitik, und geriet dabe des öfteren mit Markgraf Karl Friedrich und der zentralen Regierung in Karlsruhe in Konflikt. Er unterhielt Kontakte zu Intellektuellen, die im Südwesten des deutschsprachigen Raumes, also Baden, in der Schweiz und im Elsass zu Hause waren. 1784 wurde er erster Meister vom Stuhl der neu gegründeten Freimaurerloge "Zur edlen Aussicht". Daneben führte er seine schriftstellerischen Tätigkeiten weiter. Er verstarb am 17. Oktober 1799 in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main

Prof. Dr. Karl Schwarzl (Johann Carl Schwarzel) *1746 +1809

 

Carl Schwarzl (auch Johann Carl Schwarzel) wurde 1746 in Eggendorf (Niederösterreich) geboren und war katholischer Weltpriester und Doktor der Moraltheologie an der Hohen Schule. 1779 wurde er Professor für Patristik und Rektor der Universität Innsbruck.

 

Wegen seiner Verweigerung des "Immaculata-Eides" fand 1783 eine Versetzung nach Freiburg statt. Dort war er Professor für Pastoraltheologie und Stadtpfarrer bzw. Münsterpfarrer. Außerdem war er Schriftsteller und ein Vertreter des Joephinismus. 1783 gehörte er zu den Mitbegründern der Innsbrucker Loge "Zu den drei Flammen" und wurde von deren Mitgliedern zum ersten Meister vom Stuhl ernannt. Als aktiver Freimaurer war er 1784 auch unter den Mitbegründern und erster Aufseher der Loge "Zur edlen Aussicht", in den Jahren 1786 und 1787 Meister vom Stuhl. 

Franz Xaver Caluri  *1749  +1800


1789 und 1790 war er der Zeremonienmeister der Loge. Er war Stadtrat und organisierte die Bürgerwehr gegen die heranrückenden Franzosen als Commandant der Freiburger Bürgermiliz. Erstaunlich war die Tatsache, daß sich achtzig Studenten der Universität mit ihren Professoren Mertens und Albrecht dem Befehl des Stadtrats und Corpskommandanten Franz Xaver Caluri unterstellt hatten. Unter diesen Studenten war auch der noch unbekannte Karl von Rotteck. Im Martinstor ist ein Denkmal für die Leistung seiner Milizionäre eingelassen. Eines der wenigen Denkmäler weltweit indem ein General seinen Soldaten gedenkt.

Kaspar Ruef *1748  +1825

 

Redner der Loge und federführender Herausgeber des Freymüthigen. Diese Quartalsschrift wurde vom österreichischen Zensor Summereau massiv überwacht und ein Umzug des Verlages nach Ulm schützte nicht vor der Einstellung des Blattes, später sollte sich dieses geschehen mit dem Freisinnigen von Rotteck wiederholen.

Kaspar Ruef selbst war Dr. jur und Prorektor der Universität. Er machte die Universitätsbibliothek dem allgemeinen Publikum zugänglich.

Joseph Maria Weissegger von Weisseneck *1755 +1817

 

1755 bei Graz geboren wurde er 1784 Professor für Weltgeschichte an der Universität Freiburg und seit 1797 deren Rektor. 1804 wurde er geadelt. 1784 wurde er Mitglied der Freiburger Freimaurerloge Zur edlen Aussicht.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789–1845), Jurist, politischer Journalist und Initiator des Hambacher Festes, war sein Schwiegersohn.

 

Dr. Carl von Rotteck *1775 +1840

 

Doktor der Rechtswissenschaft und Professor für Weltgeschichte an der Universität Freiburgs.

Auf dem Badenweiler Fest am Pfingstmontag 1832 bekannte sich Rotteck in der deutschen Frage klar zu einem freiheitlichen Föderalismus: Ich will die Einheit nicht anders als mit Freiheit, und will lieber Freiheit ohne Einheit als Einheit ohne Freiheit. Ich will keine Einheit unter den Flügeln des preußischen oder österreichischen Adlers … Ein Staatenbund ist, laut Zeugnis der Geschichte, zu Bewahrung der Freiheit geeigneter als die ungeteilte Masse eines großen Reiches. Die Reaktion der badischen Regierung erfolgte prompt mit Rottecks vorzeitiger Versetzung in den Ruhestand und dem Verbot seiner Zeitschrift "Der Freisinnige". Obwohl er 1833 mit großer Mehrheit die Bürgermeisterwahl in Freiburg gewann verzichtete er auf sein Amt, um politischen Schaden für die Stadt zu vermeiden, nachdem Karlsruhe massiv intervenierte.

Jakob Venedey *1805 +1871

 

Vielleicht der politischste aller Brüder. Er war Jurist, organisierte das Hambacher Fest und wurde aus Deutschland ausgewiesen.

Venedey ist 1833 in Nancy in die Freimaurerloge St Jean de Jerusalem aufgenommen worden. 1837 hielt er in Paris die Trauerrede am Grab seines freimaurerischen Bruders Ludwig Börne. Als er 1853 nach seinem Exil endgültig in Freiburg im Breisgau sesshaft wurde, schloss er sich unserer Loge an. Er war Ehrenmitglied der Basler Loge Zur Beständigkeit.

In den 1840ern war er Mitarbeiter an der ersten und zweiten Auflage des Rotteck-Welckerschen Staatslexikons. 1848 gehörte er dem Vorparlament an und wurde Mitglied des Fünfzigerausschusses. Vom 18. Mai 1848 bis zum Ende des Rumpfparlaments am 18. Juni 1849 war er Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung. Im Paulskirchenparlament war er Mitglied mehrerer Ausschüsse. Seine Frau betrieb in Badenweiler eine Fremdenpension, er selbst lehrte zuletzt an der Universität Zürich. Zahlreiche Schriften und Biografien (George Washington, Reiseberichte) stammen von ihm.

Dr. Bronisław Ferdynand Trentowski *1808 +1869

 

Der 1803 in Opole geborene Philosoph musste nach dem gescheiterten Novemberaufstand über Königsberg nach Freiburg fliehen und publizierte sein erstes Werk Grundlagen der universellen Philosophie 1837 in deutscher Sprache. Er war lange Zeit Redner und auch Stuhlmeister der Loge.

Johann Evangelist Engesser* 1778 +1867

 

Er wurde 1809 in die Loge aufgenommen, kurz vor der Zeit, als die Loge verboten war. Vielleicht ist deshalb vom Geheimrat und Direktor der Schulsektion Baden so wenig in der Literatur zu finden. Auch sein Buch, das er in beiliegendem Brief (Gießen, Universitätsbibliothek, Nachlass Lorenz Diefenbach), dem Bibliothekar anpreist, ist nicht mehr auffindbar.  Er war als Priester, Koadjutor des Erzbischofs und Vizepräsident der Ständekammer im Zerreissfeld der damaligen Politik.

Prinz Wilhelm von Baden *1829 +1897

 

Ehrenmitglied der Loge ab 1861 , badischer Abgeordneter im Reichstag und Präsident der ersten Kammer der badischen Ständeversammlung von 1893 bis zu seinem Tod 1897 sowie Vater von Prinz Max von Baden, dem letzten Reichskanzler des Deutschen Kaiserreiches. Dieser (Max) verkündete am 09. November 1918 eigenmächtig, der Kaiser habe abgedankt und übergab sein Amt dem Führer der Sozialdemokraten, Friedrich Ebert.

Gottfried August Ficke  *1808, +1887

 

Stuhlmeister 1860 nach der Wiedergründung wegen Verbot der Loge war er ein grosser Reformator der Freimaurer. Im Verein mit Trentowski führte er das "Weisse Buch" ein, ein Buch mit nur weissen Blättern, das die Bibel ersetzte und den Glauben ohne Konfession symbolisierte. Dieses Nebeneinander wurde von der Großloge 1870 offiziell genehmigt.

Hugo Ficke  *1840  +1912


Sohn von G.A. Ficke und grosser Förderer der Stadt, Stifter des Völkerkundemuseums.

Auch er war Ehrenstuhlmeister. Seine gestiftete Sammlung wurde erst vor kurzem in einer Sonderausstellung Verborgene Schätze im Naturmuseum ausgestellt. Während seiner Amtszeit gründete die Loge den Arbeiterbildungsverein der seit 1889 im Haus zur lieben Hand residierte. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, ein Bildung- und Unterhaltungsangebot für Arbeiter- und Handwerksgesellen zu bieten. In etwa vergleichbar mit den heutigen Volkshochschulen, gab es damals noch zusätzlich eine eigene Sparkasse und eine Krankenversorgung. Am 5.März 1933 wurden in Freiburg, früher als im restlichen Reich, bedingt durch den Wahlsieg der NSDAP alle Arbeitersport- und -kulturverbände aufgelöst. Auch die städtische Handelsschule (heute Staatliche Handelsschule) wurde von der Loge in dieser Zeit gegründet. Ficke starb auf einer ethnologischen Sammlungsreise in Rangoon, dem späteren Burma (Myanmar).

Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Wucherer

 

In seinem Karslruher Haus wurde 1785 die Loge Carl zur Einigkeit gegründet. Später wurde er nach seinem Umzug nach Freiburg dort Meister vom Stuhl. Ein Ölgemälde, was zusammen mit anderem Besitz 1935 von Logenbrüdern dem Augustinermuseum gegeben wurde, hängt heute als Dauerleihgabe im Stadtmuseum. Sein Sohn Gustav Friedrich war Physikprofessor an der Universität und erster protestantischer Pfarrer der Stadt. Der Nachlaß von F.W. Wucherer liegt in der Landesbibliothek Karlsruhe.

Gustav Ree  *1810  +1869

 

Als unehelicher Sohn eines Regierungsregistrators studierte er in Freiburg Philosophie und Rechtswissenschaften.  1845 wurde er Bürgermeister von Offenburg.

Am 12. September 1847 war Rée Leiter der radikaldemokratischen Offenburger Versammlung. Vom 23. Mai 1848 bis zum 4. August 1848 war er als Abgeordneter für Offenburg Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche und zählte dort zur radikalen Fraktion Donnersberg. 1849 wurde er wegen Unterstützung der badischen Revolution des Hochverrats angeklagt, 1851 jedoch freigesprochen. Seine Frau gründete den Frauenverein in Offenburg.  Das damalige Geschehen ist auf dem Landesbildungsserver gut dokumentiert.

In Offenburg ist heute die Gustav-Rée-Anlage nach ihm benannt.

Hermann Gottlob von Greiffenegg    *1775  +1847

 

Er diente dem Haus Österreich als Diplomat und Offizier, war viel auf Reisen. Sein Vater, der letzte Regierungspräsident des Hauses Habsburg in Freiburg galt als Despot, er erbaute das Greiffeneggschlösschen in Freiburg.

Nach seiner zweiten Hochzeit mit Agathe Mauch, der Tochter eines Freiburger Sattlermeisters, zog auch deren Schwester Josepha mit auf den Schlossberg. Das gab innerhalb von kürzester Zeit zu wilden Gerüchten in der Freiburger Gesellschaft Anlass. Als sich ein befreundeter Arzt 1825 in Venedig zu der ménage à trois abfällig äußerte, tötete Gottlob von Greiffenegg seinen Freund in einem Duell. Von Gewissensbissen geplagt nahm Greiffenegg die zur Waisen gemachte Tochter des Freundes in sein Haus auf. Die zweite Geschichte ist mit der ersten verknüpft, denn als das Mädchen nach einigen Jahren angeblich erfuhr, wer ihren Vater umgebracht hatte, stürzte es sich vom Schlössle aus in den Tod. Er verkaufte 1840 das Schlössle an die Ehefrau des Bierbrauers Schaich und zog in eine Stadtwohnung zur Miete wo er 7 Jahre später starb.